Hamburg

Station 3 – Hamburg, 2. – 3. September

Die beiden Kicker im Eingangsbereich sind gut belegt. Mehr als ein dutzend junger Männer steht an den Spielgeräten, die Unterhaltungen werden immer wieder für englische Flüche oder ein lautes „Scheiße“ unterbrochen. In den hinteren Räumen sitzen Menschen dicht gedrängt an Tischen und auf Bänken, trinken Tee, essen Brot oder lernen Deutsch.

Das „Café refugio“ in Hamburg-Harburg gibt es seit knapp einem Jahr. Rund 100 Ehrenamtliche sorgen dafür, dass an sechs Tagen in der Woche geöffnet ist. Von 15 bis 21 Uhr bietet das Café Geflüchteten einen Rückzugsort. Schätzungsweise 120 Menschen besuchen täglich das Café. Viele Gäste kommen aus der nahe gelegenen Erstaufnahmestelle, aber auch aus anderen Flüchtlingsunterkünften der Stadt. Die Räumlichkeiten gehören der örtlichen Kirche, dort befanden sich früher einmal Jugendräume. Seit diese nicht mehr genutzt werden, stellt die Gemeinde den Ort zur Verfügung.

Wir entscheiden uns dagegen, Filmaufnahmen im und vorm Café zu machen. Dieser Ort soll ein sicherer Rückzugsort sein – auch für Menschen, die auf Fotos und Videoaufnahmen nicht erkannt werden dürfen, weil ihre Familien in Gefahr geraten könnten.

Der 22-jährige Thamer spricht auch vor der Kamera mit uns darüber, warum er jeden Tag ins Café kommt.

Wir haben den Eindruck, das „Café refugio“ funktioniert so gut, weil dort Geflüchtete und Ehrenamtliche leicht miteinander in Kontakt kommen, aber eben auch eine Beziehung zueinander aufbauen können. Christina Tarrach ist ein gutes Beispiel dafür. Während unseres Besuchs grüßt sie  viele der Geflüchteten auf arabisch. Sie hat einige Sätze gelernt, genug für den ersten Smalltalk. „Das schafft Vertrauen“, sagt sie. Oft scherzt sie in Gesprächen, es wird viel gelacht.

Es gibt keine Hürden, die für einen Besuch im Café überwunden werden müssten. Die Tür steht im wörtlichen Sinne offen, die Getränke sind kostenlos, ebenso wie der Deutschunterricht. Es ist eine der wenigen Möglichkeiten für Geflüchtete in Hamburg-Harburg, Deutsch zu lernen, denn für die Teilnahme an Integrationskursen muss der Asylantrag angenommen sein. Das kann auch schon mal bis zu einem Jahr dauern. In den Erstaufnahmestellen ist Deutschunterricht jedenfalls nicht vorgesehen.

Die Ehrenamtlichen schaffen ein Klima, indem sich die Gäste willkommen fühlen. Das geht nur, weil die Kirche die Räume kostenlos zur Verfügung stellt, weil Nachbarn Kaffee und Brot spenden und weil jeden Tag mehr als 20 Ehrenamtliche ihre Zeit zur Verfügung stellen.

Dass sich das lohnt, zeigt sich beispielsweise darin, dass Thamer sich in Deutschland zum ersten Mal, seit er aus Syrien aufgebrochen ist, willkommen fühlt.