München

Station 5 – München, 07. September 2015

Wo Ehrenamt schneller ist als Staat

Mit den Bildern ankommender Geflüchteter am Hauptbahnhof im Kopf sind wir nach München gefahren. Dort trafen wir auf eine gut organisierte Struktur des Ankommens. Ehrenamtliche begrüßten die Ankommenden, verteilten Wasser, Snacks und Kleidung. In einem Zelt wurden Medizinchecks durchgeführt, Shuttle-Busse fuhren zu Sammelunterkünften. Alle betonten: ohne eine gute Zusammenarbeit von staatlichen Stellen und Ehrenamtlichen wäre das nicht möglich.

Ein Beispiel: In einer Unterkunft müssen kurzfristig 200 Betten aufgebaut werden, es fehlen Matratzen. In wenigen Minuten organisieren sich ehrenamtliche Helfer, die Matratzen bringen und die Betten aufbauen. Und in der Pressekonferenz bekennt die Sozialreferentin: „Mit unseren Hauptamtlichen hätten wir das so schnell nicht geschafft.“

Für uns zeigt sich in München, wo das Ehrenamt stark ist: im spontanen Einsatz. Man kann darüber streiten, ob die Ankunft vieler Geflüchteter tatsächlich so überraschend war, wie die Politik es darstellt. Es kann auch nicht die Aufgabe von Ehrenamtlichen sein, langfristig für genügend und gute Unterkünfte zu sorgen. Die Basis muss der Staat schaffen. Dann kann die Zivilgesellschaft die Aufgaben übernehmen, die sie (in Form von ehrenamtlichen Engagement) für wichtig erachtet – zum Beispiel das Willkommenheißen am Hauptbahnhof.