Station Köln: Asyland

Sequenz 03.Standbild001Cagdas Yüksel ist 20 Jahre alt. Er hat im letzten Jahr um die zwanzig Leute zusammen getrommelt, hat ein Jahr lang geplant, ein halbes Jahr gedreht, vertont und im Schnitt gesessen – alles, um einen Film aus der Perspektive von Geflüchteten zu machen – „Asyland“. Achso, und er studiert Soziologie in Köln. Wann er das eigentlich tut, wissen wir nicht genau. Wir kennen Cagdas seit einem halben Jahr, seit wir den Trailer von „Asyland“ gesehen haben. Und wir haben schnell gemerkt: „Hey! Da ist noch einer von diesen irrwitzigen Menschen, denen keiner sagen muss, wie’s geht.“ Der einfach losgeht und macht.

Willkommenskultour: Cagdas, Dein Film zeigt den Alltag von Geflüchteten, der den meisten Menschen normalerweise verschlossen bleibt. Wir sehen junge Männer auf dem Weg in die Stadt, um wie Tagelöhner auf dem Bau etwas Geld zu verdienen. Eine Syrerin, ehemalig Lehrerin, jetzt tatenlos eine Zigarette nach der anderen rauchen. Warum zeigt ihr diese Szenen?

Cagdas Yüksel: Wir glauben, dass es wichtig ist, den Alltag von Flüchtlingen zu zeigen.
Denn nur so kann es einen Dialog geben. Selbst wenn die Politik sich ändert, es bringt nichts, wenn wir zwei parallele Gesellschaften haben. Und da soll der Film zu beitragen, einfach mal auf diese Menschen zuzugehen und Willkommenskultur zu leben. Sich von allem frei zu machen, was man so mitbringt, von allen Vorurteilen, und Menschen zu sehen.

WK: Was waren die größten Hindernisse bei Eurer Arbeit?
Cagdas: Auf jeden Fall die Organisation, sich um alles zu kümmern, die Drehgenehmigungen, die Interviewpartner, die Musik, der Schnitt… Glaub mir, es gab Probleme, von denen wusste ich gar nicht, dass man sie bei einem Film haben kann.

WK: Ihr habt ein halbes Jahr an dem Film gearbeitet. Heute ist die Premierenfeier, der Film lief gerade, die meisten Leute sind raus, wie fühlst du dich?
Cagdas: Ich glaub, da ist von jedem Gefühl was dabei, das kann ich gerade nicht in Worte fassen. Aber als ich eben während des Films in die Gesichter der Menschen geschaut habe zwischendurch, da war ich einfach nur glücklich. Wir haben so lange im Schnitt gesessen, überlegt, was wir wo hinpacken. Und jetzt ist es einfach fertig, das ist toll!

WK: Euren Film gibt es auf www.asyland.de zu kaufen, die erste Vorstellung mit 250 Plätzen habt ihr schon gefüllt. Wie geht es jetzt für euch weiter?
Cagdas: Es liegt noch eine Menge Arbeit vor uns. Wir wollen mit dem Film durch Deutschland touren, ihn an Schulen zeigen, Podiumsdiskussionen machen wie auch heute. Aber heute werde ich glaub ich erst mal eine ganze Nacht lang schlafen.

Und während wir Cagdas eine gute Nacht wünschen, fragen wir uns: wie wird es mit der Willkommenskultour laufen? Cagdas hat auf der Bühne „Danke“ an sein Team gesagt. Und: „ohne ein so großes Team ist das alles gar nicht möglich.“ Da standen 15 strahlende junge Menschen auf der Bühne und Sebastian und ich mussten uns angucken und lachen. Wir haben über uns gelacht und unseren Plan, zu zweit loszuziehen. Aber in dem Lachen schwang der Irrwitz mit, den wir an Cagdas wieder erkannt haben. Und das altbekannte „Wollen wir doch mal sehen!“
Wie als Bestätigung dieses Gedankens hat sich uns übrigens Theresia angeschlossen. Sie hat ihre Berliner Katze in Obhut gegeben, ist am Samstagabend in den Nachtbus Berlin-Köln gestiegen und ist jetzt schon unentbehrliches Crewmitglied. Sie ist Historikerin und Dokumentarfilmerin und hat an dem Beitrag mitgearbeitet, den wir bei Asyland gedreht haben und der hier in Kürze erscheint.

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